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Falten und Bling Bling – Ein Faltenrock aus Glitzerjacquard

Manchmal bin ich so begeistert von meinem gerade fertiggestellten Kleidungstück, dass ich für jeden Stoff, der mir in die Hände kommt den gleichen Schnitt wählen würde. Kennt ihr das? Wenn ich diese Pläne dann aber tatsächlich so umsetzen würde, hätte ich heute wohl unendlich viele verschiedene Ausführungen von ein und dem selben Schnittmuster. Und sonst nichts.

Dennoch landet so mancher Stoff in meinem Warenkorb, der dann eben für jenes spezielle Schnittmuster geplant ist. In meinen Gedanken ist das Stück dann auch schon fertig genäht und es fällt mir sehr schwer, mich Gedanklich auf andere Möglichkeiten für dieses Material einzulassen. Aber ich gelobe Besserung.

So war es auch mit dem wunderschönen Glitzer-Jacquard mit Lurexfäden von Stoff & Co. Es war Liebe auf den ersten Blick und schnell stand fest: Ein Rock sollte es werden. Vor etwa zwei Jahren fertigte ich einen Faltenrock nach dem Burdaschnitt 109 aus der Ausgabe 10/2017 aus einem Stoff ähnlicher Qualität an.

Während ich bei meinem ersten Rock nach diesem Schnitt noch nicht sehr auf den Musterverlauf geachtet habe, wollte ich mir diesmal besonders viel Mühe geben. Das entpuppte sich allerdings als kleine Herausforderung, da ich natürlich nur einen Meter Stoff gekauft hatte. Leider ist es mir nicht perfekt gelungen, das Muster aufeinander abzustimmen, aber damit kann ich in diesem Fall leben.

Der Rock wird in der rückwärtigen Mitte mit einem nahtverdeckten Reißverschluss geschlossen. Mit dem speziellen Nähfüßchen ist das Einnähen solcher Reißverschlüsse für mich mittlerweile kein Problem mehr und macht mir sogar Spaß. Ist es nicht einfach ein wunderbares Gefühl, einen verdeckten Reißverschluss tatsächlich unsichtbar eingenäht zu haben? Wenn dann auch noch die Streifen perfekt aufeinander treffen würden… Einen Tipp dazu findet ihr übrigens nächste Woche hier auf dem Blog in meinem Beitrag zu #12ausdemstoffregal von Tweed&Greet.

Die Anleitung in der Burda Style sieht für diesen Rock ein Futter vor. Mein erster Rock besitzt auch ein solches. Für diese Variante wollte ich hingegen einmal testen, ob ein Futterrock bei diesem Schnittmuster für den Tragekomfort zwingend notwendig ist. Ich kann euch sagen: Nein, es ist nicht notwendig. Das gilt natürlich nur für Stoffe, die sich ähnlich zu meinem verhalten.

Der Saum dieses Rockes wird unsichtbar von Hand genäht. Das ist zwar nicht gerade meine liebste Technik, aber es lohnt sich vor allem bei Jacquardstoffen sehr, da der Saum dann ordentlich aussieht.

Der Rock aus dem wunderschönen Glitzer-Jacquard lässt sich übrigens sowohl im Sommer mit nacktem Bein, als auch im Winter mit Strumpfhose super tragen. Außerdem kann er gut mit Blusen, Shirts und Tops kombiniert werden, aber auch kurze Pullover passen dazu.

Outfit:
Rock: Burda Style Mod. 109 – 10/2017
T-Shirt: Swag von Fashion Tam Tam
Jacke: Burda Style Mod. 105 – 09/2017

Bis bald

Tessa

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Zwei auf einen Streich – Die Culotte Iva aus dem Probenähen für Svenjasewsit als Shorts

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Vor ein paar Wochen hat Svenja von svenjasewsit zum Probenähen ihrer Frühlings-/Sommerkollektion aufgerufen und ich durfte das Schnittmuster für die Culotte Iva testen.

Wie der Name „Culotte“ schon sagt, ist Iva eine Hose mit weitem, wadenlangem Bein, die in der Taille sitzt. Sie verfügt über einen nahtverdeckten Reißverschluss in der linken Seitennaht.

Da ich kein Fan von Culottes (an mir selbst) bin, nähte ich die Shorts-Variante des Schnittmusters. Die Hose sitzt in der Taille sehr figurbetont, während die Beine ohne Anpassung auch in der Shorts-Länge an ausreichend Weite verfügen.

Die bebilderte Anleitung beinhaltet nützliche Tipps zur Anpassung und Verarbeitung der Hose. Dennoch würde ich das Schnittmuster nicht als anfängertauglich bezeichnen, da man schon etwas Erfahrung im Anpassen von Hosen haben sollte.

Die bunt gemusterten Shorts sind aus einem Baumwollstoff mit Elasthananteil entstanden, den ich vor ein paar Jahren auf dem Stoffmarkt gekauft habe, als ich noch ganz am Anfang meiner Nähkenntnisse stand und so ziemlich jeden Stoff gekauft habe, der mir annähernd gefallen hat und günstig war. Wer kennt diese Phase nicht!? Eigentlich dachte ich die darauf folgenden Jahre, es wäre ein absoluter Fehlkauf gewesen. Zum Probennähen kam er dann aber doch gerade recht. Ursprünglich wollte ich damit nur die Passform testen, die fertigen Shorts aber fand ich schließlich doch ganz schön und vor allem mit schwarzen schlichten Tops gut zu kombinieren. Dazu würde ein etwas längerer Blazer gut passen. Auch könnte ich mir ein Outfit aus diesen Shorts und einem sehr schlicht geschnittenen, ärmellosen Croptop aus dem selben Stoff sehr gut vorstellen.

Die genaue Stoffzusammensetzung der auberginefarbenen Shorts ist mir zwar nicht bekannt, meinem Gefühl nach müsste es sich hierbei aber um einen Polyesterstoff mit Elasthan handeln. Auch dieser Stoff befand sich schon einige Zeit in meinem Vorrat. Für meinen Geschmack ist der Elasthananteil dieses Stoffes zu hoch für das Schnittmuster, da hier selbst die kleinsten Fettpölsterchen teilweise sehr unvorteilhaft betont werden.

Meine klare Empfehlung für die Culotte Iva sind also Stoffe ohne oder mit nur sehr wenig Elasthan.

Das Schnittmuster wurde mir im Rahmen des Probenähens kostenlos zur Verfügung gestellt. Ihr könnt es zum Beispiel bei Alles für Selbermacher käuflich erwerben.

Outfit 1:
> gemusterte Shorts/Culotte Iva – Svenjasewsit
> schwarzes Top – Burda Style
> Frau Tomma – Studio Schnittreif
> Hipbag EINS – blackcatsewing

Outfit 2:
> Shorts/Culotte Iva aubergine – Svenjasewsit
> Offshouldertop – Burda Style
> Hipbag EINS – blackcatsewing

Welche der beiden Hosen gefällt euch besser?

Bis bald

Tessa

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It’s time for a Fashion-Revolution

Gestern war Fashion Revolution Day und die ganze Woche wird in den Sozialen Medien auf die Missstände in der Modeindustrie aufmerksam gemacht. Der Fashion Revolution Day wurde ins Leben gerufen, nachdem am 24. April 2013 in Bangladesch eine Textilfabrik einstürzte.

Doch wieso sind die Arbeitsbedingungen in Textilfabriken so schlecht? Den meisten Firmen in der Bekleidungsindustrie geht es nur darum, billig zu produzieren und viel zu viele Menschen leben den Trend der Fast Fashion. Manche tragen ihre Kleidung kaum länger als ein Jahr, teilweise wird sogar noch früher wieder aussortiert. Durch den Fashion Revolution Day sollen die Menschen ein Bewusstsein dafür entwickeln. Viele posten auf Instagram und Co. Fotos, auf denen sie ihre Kleidung mit dem Etikett nach außen tragen und stellen an die Hersteller die Frage „Who made my clothes?“. Sie wollen wissen, wie die großen und auch kleinen Marken ihre Produkte produzieren lassen. Sie wollen mehr Transparenz. Außerdem wird ein Augenmerk auf die Langlebigkeit von Kleidung gesetzt. Vieles ist noch in einwandfreiem Zustand, wenn es aussortiert wird. Wieso also trägt man seine Kleidung nicht einfach länger? Weil es die Modeindustrie uns so vorlebt. Alles muss immer neu sein und dem neuesten Trend entsprechen. Die Schuld liegt jedoch nicht nur an den Verbrauchern, die immer Neues wollen. Auf Grund der sich so schnell ändernden Mode wird auch in der Produktion meist mehr Wert auf Quantität statt Qualität gelegt. Dies wiederum hat zur Folge, dass Kleidung wesentlich schneller kaputt geht. Früher konnte Kleidung von Generation zu Generation weitergegeben werden. Das ist heutzutage gar nicht mehr möglich. Weil die Modeindustrie die Langlebigkeit von Kleidungsstücken gar nicht vorsieht, sind wir letztendlich dazu gezwungen, schneller wieder Neues zu kaufen.

Ich stehe hier natürlich nicht außen vor. Keineswegs möchte ich von mir behaupten, dass ich besonders nachhaltig lebe. Auch ich kaufe gerne mal neue Kleidung, dennoch nähe ich den Großteil selbst. Nicht unbedingt aus Pflichtbewusstsein, das gebe ich zu, sondern rein aus Freude am Nähen. Und auch unter den Nähbloggern sind Modetrends ein großes Thema. So entstehen auch bei mir neue Kleidungsstücke, die den aktuellen Beliebtheitskriterien entsprechen. Allerdings trage ich meine Kleidung definitiv länger als ein Jahr. Allein schon aus dem Grund, dass ich mich nicht davon trennen kann, vor allem, wenn man an die investierte Zeit und das Herzblut denkt, das man in die Stücke gesteckt hat. Von dem Gefühl von Stolz, dass man seine selbst genähte Kleidung trägt ganz zu schweigen.

Passend zur Fashion Revolution Week möchte ich euch heute mein heiß geliebtes Statementshirt präsentieren. Als ich mir im letzten Sommer einen Plotter gekauft habe, ist dieses T-Shirt als eines der ersten beplotteten Kleidungsstücke entstanden.

Ich habe mich ganz bewusst für ein schlichtes weißes T-Shirt mit schwarzem Aufdruck entschieden, da es so als Basic zu fast allem kombiniert werden kann. Außerdem unterstreicht die Farbkombination meiner Meinung nach die Aussage des Spruches, nicht weil sofort auffällt, dass es selbst gemacht ist, sondern viel mehr weil es auf den ersten Blick eben nicht wie selbstgemacht aussieht. Versteht ihr, was ich meine? Mir ist es wichtig, dass man nicht auf den ersten Blick erkennt, ob ein Kleidungsstück gekauft oder selbstgemacht ist. Wie wohl jeder Nähblogger lege auch ich einen gewissen Wert auf professionelle Verarbeitung und den „wie-gekauft-Look“. Und das keines Falls, weil man sich für sein Hobby schämt. Man möchte der Außenwelt zeigen, was alles möglich ist, dass Nähen kein Hexenwerk ist und dass nicht automatisch jedes gekaufte Teil qualitativ hochwertiger ist als ein selbstgemachtes – und man trifft leider noch immer ab und an auf die Meinung, selbstgenähte Kleidung wäre nur quietschebunt, kitschig und etwas für alternativ angehauchte.

Das Schnittmuster des T-Shirts ist #swag von Fashion Tam Tam in Größe M. Laut Maßtabelle würde mir auch Größe S passen, da ich ein locker sitzendes Oberteil wollte, wählte ich allerdings eine Nummer größer. Das kostenlose Poster (keine Plottdatei!) „I made my clothes“ bekommt ihr bei Fashion Revolution, ebenso wie das Poster „Who made my clothes„.

Jetzt bin ich gespannt, wie ihr zu dem Thema steht. Über eure Kommentare freue ich mich sehr!

Bis bald

Tessa

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All Time Favourites · DIY - Selbstgemachtes

All Time Favourites: Bereit für den Spitzen-Sommer

Heute beginne ich mit einer kleinen Blogreihe, die in unregelmäßigen Abständen meine persönlichen Lieblingsschnittmuster – also meine all time favourites – vorstellen soll. Hierbei möchte ich mich nicht nur auf Damenbekleidung beschränken, sondern euch viel mehr alle Schnittmuster zeigen, die ich gerne immer und immer wieder nähe. Von Taschen bis hin zu Schnittmuster für unsere lieben Männer kann alles dabei sein. Den Anfang macht heute ein Teil, das ich schon im letzen Sommer fast ununterbrochen getragen habe.

Im letzten Jahr während meiner Blogpause habe ich mein absolutes Lieblingsschnittmuster für ein Sommertop entdeckt: Das Ogden Cami von True Bias.

In der Nähszene ist dieses Top aus Webware bereits weit verbreitet, denn es ist wohl das perfekte Basic. Inzwischen habe ich schon drei Ogden Camis in meinem Kleiderschrank.

Dass es trotz der schlichten Schnittführung sehr wandelbar ist, möchte ich euch heute beweisen. Obwohl der Schnitt für Webware ausgelegt ist, wählte ich für meine erste Version einen Viskosejersey.

Eigentlich erfolgte die Stoffwahl eher zufällig. In einem Anflug von akutem Drang etwas zu Nähen, verbunden mit fehlender Motivation zur aufwändigen Schnittmustervorbereitung sowie Mangel an Entscheidungsfreudigkeit musste eben ein schnelles Projekt aus einem vorhandenen Stoff her. Man glaubt es kaum, doch der einzige Stoff, der in ausreichender Menge vorhanden war, ohne ein 2-Meter-Stück anschneiden zu müssen war nun mal der weinrote Viskosejersey.

Da ich nicht gerade ein Freund davon bin, dünne Träger – sei es aus Webware oder Jersey – rechts auf rechts zusammen zu nähen und anschließend zu wenden, benötigte ich auch noch eine Alternative für die Träger des Ogden Camis. In meiner Kiste mit Bändern aller Art fand ich ein wunderschönes weißes Spitzenband, das hervorragend zum weinroten Jersey passte.

So schnell wie das Material ausgewählt wurde ging das Nähen dann aber doch nicht. Laut Anleitung wird in etwa das obere Drittel des Tops komplett gedoppelt. Darauf wollte ich bei Jersey allerdings verzichten, weshalb ich dünne Streifen wie Bündchen an alle Ausschnitte genäht und anschließend abgesteppt habe. Das sorgt meiner Meinung nach ebenfalls für einen professionellen Look. Das Spitzenband steppte ich anschließend so an die rückwärtige Ausschnittkante, dass es gleichzeitig die Träger bildete.

Da ich sowohl für die beiden Tops aus Webware (dazu aber ein andermal mehr) als auch für die Jerseyvariante die selbe Größe gewählt habe, sitzt das Oberteil aus elastischem Stoff etwas lockerer, was mir aber vor allem im Sommer sehr gut gefällt.

Mit dem Ergebnis bin ich wirklich mehr als zufrieden. Ab und an lohnt es sich, bei der Materialwahl mutig zu sein und entgegen der Empfehlung von Webware auch mal Jersey zu verwenden. Das gilt natürlich nur, wenn es der Schnitt auch zulässt und nicht unbedingt in umgekehrter Weise.

Bis bald

Tessa

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Wahre Schönheit kommt von innen – #12ausdemstoffregal

Heute ist der letzte Februartag und das bedeutet, dass Selmin von Tweed & Greet schon morgen das neue Motto von 12 aus dem Stoffregal verkündet. Vorher möchte ich euch aber noch mein Werk für des Februarthema „Zwei, füreinander gemacht“ vorstellen.

Mein erster Eindruck vom Motto war nicht der beste. Ein paar Minuten darüber nachgedacht, fand ich die Idee aber dann doch ganz nett. Immerhin ist auch diese Vorgabe sehr unterschiedlich zu interpretieren. Und schon kamen die ersten Ideen. Wieder einmal hätte mein noch immer aufgeschobener Samtblouson gut gepasst, denn auch einen Stoff für einen dazu passenden Rock habe ich in meinem Regal liegen. Soviel zur Theorie.

Die Praxis sah dann anders aus. Heute zeige ich euch also weder Rock, noch Jacke, dafür aber eine Tasche. Schon im letzten Jahr habe ich meine Liebe zur Echtlederverarbeitung entdeckt. Ich weiß, das kann unter Umständen ein heikles Thema sein. Dennoch verfügen Taschen aus echtem Leder über einige deutliche Vorteile gegenüber den Varianten aus Kunstleder. Dazu aber bei Gelegenheit mehr.

In einem Lederladen in München habe ich schon letztes Jahr einige Lederreste aus der Modeindustrie erstanden, wie auch das hier verwendete dunkelrote Leder. Von Anfang an war es für eine eher schlichte große Handtasche vorgesehen. Mit dem Freebook der Tasche Nine von Delari, das im Snaply-Magazin erschien, fand ich schließlich den idealen Schnitt.

Da das Leder sehr dick ist, entschied ich mich für eine offenkantige Verarbeitung. Dies erforderte allerdings ein wenig Umdenken und Improvisation. Laut Nine soll man die Tasche in unter 90 Minuten nähen können. Auf Grund meiner notwendigen Anpassungen und einer kleinen Komplikation – verbunden mit einem größeren Drama – benötigte ich allerdings deutlich mehr Zeit.

Für die Außentasche wählte ich ein noch vorhandenes Stückchen goldenes Lackleder, das ich nur auf das Vorderteil aufsetzte, statt die Tasche in den Seitennähten mitzufassen. Auch die Träger verarbeitete ich anders, als im Freebook beschrieben. Auf den Schulterriemen verzichtete ich ganz, für die verlängerten Henkel verwendete ich einen fertigen Lederriemen in schwarz.

Nun aber endlich zu meinem Kombinationspartner! In meinem Stoffvorrat befand sich ein schon länger gehüteter Schatz: Baumwolle mit pinkem Leomuster. Rein zufällig stimmte ein im Muster enthaltener Rotton genau mit der Farbe meins Leders überein. Die beiden Materialien waren also wie für einander gemacht! Ich freue mich jedes Mal wieder über das wunderschöne Innenleben meiner Tasche!

Jetzt fragt ihr euch bestimmt noch, was das für ein eben erwähntes Drama war. Ganz einfach: Da ich alle Henkelenden mit Buchschrauben an der Tasche fixierte, musste ich insgesamt 16 Löcher ins Leder stanzen. Mit meiner billigen Lochzange war das schon immer ein Kraftakt. Bei Loch Nummer 14 aber geschah, was irgendwann geschehen musste: Die Lochzange zerbrach in zwei Teile. Reparieren war nicht mehr möglich. Die Tasche ein anderes Mal mit einer neuen Lochzange fertig zu machen, war für mich allerdings auch keine Option. Etwa eine Stunde versuchte ich mit allen Mitteln und am Rande der Verzweiflung, die letzten beiden Löcher ins Leder zu schneiden. Locheisen und Hammer fanden auf Grund der Uhrzeit leider keinen Einsatz. Irgendwann waren die Henkel dann aber endlich befestigt.

Meinen tollen Innenstoff möchte ich am liebsten gleich jedem unter die Nase halten, dem die Tasche schon von außen gefällt. Nun bin ich sehr glücklich und zufrieden mit meiner neuen Tasche.

Bis bald

Tessa

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Mein Burda Style Master Piece: Lederjacke

Nach einem halben Jahr Blogpause melde ich mich nun mit vielen Ideen und natürlich neuen Beiträgen zurück. In dieser Zeit stand die Nähmaschine selbstverständlich nicht still, deshalb hat sich einiges angesammelt, was hier gezeigt werden möchte. Ich habe viel dazu gelernt und mich selbst der ein oder anderen kleinen nähtechnischen Herausforderung gestellt. Ich freue mich deshalb also umso mehr, euch heute mein bisher aufwändigstes Projekt vorstellen zu dürfen.

Ich habe mich an ein so genanntes Master Piece von Burda Style gewagt und mir eine Lederjacke genäht. Ein ganzes Jahr hat es übrigens gedauert, bis ich mich wirklich an den Schnitt getraut habe. Das Schnittmuster erschien in der Burda Style 9/2017 und es handelt sich hierbei um das Modell 105.

Anfangs war ich mir bezüglich der Passform sehr unsicher, entschied mich aber dennoch gegen ein Probemodell, da die Jacke aus einfachem Bauwollstoff doch etwas anders sitzt und fällt als aus Kunstleder. Also wählte ich meine Größe an Hand der Maßtabelle aus. Bei Burdschnitten passt mir erfahrungsgemäß Größe 40 auch ohne Änderungen ganz gut (als Beispiel siehe dieses Raglanshirt).

Also wurde mal eben schnell der Schnitt abgepaust und das Kunstleder zugeschnitten. Das klingt im Nachhinein nicht so zeitintensiv, wie es in Wirklichkeit war. Ein paar mehr Schnittteile als bei einem einfachen T-Shirt sind es nämlich dann doch. Außerdem mussten einige Teile noch verstärkt werden. So kam Volumenvlies an den Schulterpassen zum Einsatz. Dort wurde das Ganze mit parallelen Ziernähten abgesteppt. Eine dünne Bügeleinlage war zudem für Bereiche wie dem Stehkragen mit Riegel und ein paar Details an der Taschen, sowie den Manschetten vorgesehen. Dann kam schon die erste Ernüchterung. Die velours-artige Rückseite des Kunstleders weigerte sich, eine Verbindung mit der Bügeleinlage einzugehen. Das musste ich natürlich 30 Minuten vor Ladenschluss des einzigen Stoffladens in meiner direkten Umgebung feststellen. Zum Glück bekam ich dort sofort, was ich wollte.

Die restliche Vorbereitung erfolgte mit der neuen Bügeleinlage dann ohne Probleme und auch die als nächstes anstehenden Paspeltaschen konnte ich problemlos einnähen, da ich diese Technik schon beherrschte. 

Ein überwältigendes Gefühl machte sich in mir breit, als die Lederjacke immer mehr die Form einer richtigen Jacke annahm. Es fühlte sich wirklich unrealistisch an und ich war während des Nähens schon richtig stolz.

Für sichtbare Nähte an der rückwärtigen Mittelnaht  und an anderen Stellen kaufte ich mir extra ein dickes Garn, das für ein stimmigeres Gesamtbild sorgen sollte. Leider funktionierte das Ganze nur einwandfrei, so lange ich auf einem Reststück zur Probe nähte. Kaum erfolgten die ersten paar Stiche auf der Jacke, bildeten sich auf der Unterseite kleine Knötchen. Dieses Problem konnte ich nur halbwegs in den Griff bekommen, indem ich für die Unterfadenspule das normale dünne Polyestergarn verwendete. Schließlich bin ich aber mit dem Endergebnis einigermaßen zufrieden. Klar, an der ein oder anderen Stelle sehe ich schon, dass die Jacke nicht perfekt ist, aber das geht uns doch allen so, oder?

Damit die Jacke aus schwarzem Kunstleder vom Stoffmarkt professioneller aussieht, erhielt sie noch messingfarbene Druckknöpfe von Prym, farblich abgestimmt auf die Reißverschlüsse. Habt ihr bereits Erfahrungen mit dieser Art von Druckknöpfen gemacht? Für mich war das, abgesehen von KamSnaps und Jerseydruckknöpfen absolutes Neuland. Doch die Ängste waren vollkommen unbegründet. Mit der Variozange waren alle Knöpfe in nur wenigen Minuten kinderleicht angebracht. Meiner Meinung nach sind diese Knöpfe somit die idealen Details für alle Jacken, die „wie gekauft“ aussehen sollen.

Fazit zum Schnitt

Trotz der Bezeichnung „Master Piece“ war der Schnitt mit etwas Erfahrung und viel Geduld und Zeit gut umsetzbar. Schwierige Stellen wie zum Beispiel die Paspeltaschen mit Reißverschluss waren meiner Meinung nach diesmal etwas besser erklärt, als für Burdaanleitungen üblich, wobei es definitiv von Vorteil ist, vorher schon einmal diese Technik angewandt zu haben. Bei dem Schnittmuster handelt es sich um eine eher kurze Lederjacke, was einige meiner Verwandten und Freunde als Kritikpunkt geäußert haben. Für die wärmere Jahreszeit stört mich das aber überhaupt nicht. Außerdem kann man sie dadurch auch gut zu Kleidern und Röcken tragen. Auch die Passform an sich gefällt mir sehr gut. Die Größe ist ideal, da sie für eine Lederjacke noch relativ locker sitzt und auch in geschlossenem Zustand nicht einengt. Die Position der Taschen allerdings sind nicht alltagstauglich. Diese dienen lediglich als Dekoration, da man sie auf Grund der Höhe kaum normal benutzen kann.

Wenn euch dieser Beitrag gefallen hat, kommt gerne nächste Woche wieder vorbei. Dann berichte ich von meinen persönlichen Erfahrungen in der Verarbeitung von Kunstleder und gebe den ein oder anderen nützlichen Tip. Außerdem lohnt sich das vorbeischauen, denn ich werde euch von einem Fehler erzählen, den man unter keinen Umständen bei einer Jacke mit Futterstoff machen sollte, auch wenn man sich in dem Moment für besonders klug hält… ich sag nur: Learning by doing.

Bis bald,

Tessa

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